Orgelgeschichte

Als die von Friedrich August Stüler entworfene Trinitatiskirche am 3. Juni 1860 mit einem Festgottesdienst eingeweiht wurde, befand sich in ihr noch keine Orgel. Der damals sehr erfolgreiche Komponist Max Bruch, ein Enkel des ersten evangelischen Pfarrers an der Kölner Antoniterkirche, machte diesen Mangel zunächst wett, indem er für den Einweihungsgottesdienst die Kantate »Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe« komponierte und auch dirigierte.

Erst anderthalb Jahre später, am 22. Dezember 1861, kam die erste Orgel in die Trinitatiskirche, ein Instrument mit 38 Registern aus der Werkstatt Ibach, dessen Prospekt – also sein äußeres Erscheinungsbild – vermutlich ebenfalls von Friedrich August Stüler gestaltet worden war. Die Firma »Rud. Ibach Sohn« mit Sitz in Schwelm gilt als »älteste Pianofortemanufaktur der Welt«: Sie bestand von 1794 bis 2007, bis 1904 hatte sie auch Orgeln produziert.

 

Von 38 auf 46 Register

Im Jahr 1899 wurde im Zuge von durch einen Orkan notwendig gewordenen Renovierungsarbeiten auch die Erneuerung der Ibach-Orgel der evangelischen Trinitatiskirche zu Köln beschlossen. Das Presbyterium erteilte der Firma E. F. Walcker & Co. den Auftrag, die alte Orgel auf 46 Register zu erweitern und so umzubauen, dass aus der vollmechanischen Schleifladen-Orgel eine pneumatische Kegelladen-Orgel wurde. Der Prospekt der Orgel blieb hierbei nahezu unangetastet. Auch die Orgelbauffirma Walcker mit Sitz im baden-württembergischen Ludwigsburg ist ein alteingessessener, bis heute renommierter Betrieb: Seit 1780 werden dort bis heute Orgeln gefertigt.

Ein Register bezeichnet im Orgelbau übrigens immer eine über den gesamten Tonumfang reichende Reihe von Orgelpfeifen gleicher Klangfarbe.

 

Das »Provisorium« wurde 1965 installiert – und blieb 45 Jahre lang

In der Kölner Trinitatiskirche konnte die kombinierte Ibach-Walcker-Orgel im Juli 1900 erstmals gespielt werden. Diese Orgel überlebte zwar den Ersten Weltkrieg. Die Bombentreffer vom 27. April 1942 und vom 29. Juni 1943 zerstörten dann jedoch während des Zweiten Weltkriegs mit dem gesamten Kirchenbau auch die Ibach-Walcker-Orgel. Bis zum Jahr 1953 dauerte es, bis der Wiederaufbau angegangen wurde. Wiedereingeweiht wurde die Kirche gar erst am 13. Juni 1965, also zwanzig Jahre nach Kriegsende. Wie bei der Einweihung 1860 fehlte aber auch bei der Wiedereinweihung über hundert Jahre später in der Kirche eine richtige Orgel. Vorhanden war mit einem nur sieben Register umfassenden Walcker-Orgel-Positiv 45 Jahre lang lediglich ein Behelfsinstrument, das im Mai 1965 »vorläufig« in die Kirche kam. Es folgten Jahrzehnte, in denen es zwar etliche Pläne zu Orgelbauten für die Trinitatiskirche gab, von denen jedoch keiner in die Tat umgesetzt werden konnte.

 

Ein Erdbeben machte endlich eine positive Veränderung möglich

Dass sich diese Situation für alle Freunde der Orgelmusik an der Trinitatiskirche zu Köln mittlerweile gründlich verbessert hat, verdankt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region letztlich einem Erdbeben vom 22. Juli 2002. Dieses verursachte in der Dreifaltigkeitskirche zu Aachen Schäden, die den zunächst vorläufigen Abbau der dort 1987 eingeweihten Klais-Orgel bewirkten, und dann zu einem endgültigen Abbau dieser Orgel in Aachen werden sollte: Das Gesamtpresbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen beschloss am 20. Juni 2006 den Verkauf ihrer Klais-Orgel.

 

Eine Orgel zieht um

Durch die Vermittlung des bekannten Organisten Johannes Geffert, der 1987 bereits in Aachen an der Konzeption der Orgel mitgewirkt hatte und Dr. Thomas Hübner, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf, beschloss der Vorstand des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region am 24. Juni 2008 den Kauf der Klais-Orgel. Es gab auch andere Interessenten für das Instrument - den Zuschlag bekam die Kölner Trinitatiskirche vor allem darum, weil die Orgelbaufirma Klais ihre für eine andere Kirche konzipierte Orgel an diesem Standort unverändert wieder aufbauen konnte – die Räumlichkeiten mussten dem neuen Instrument nur geringfügig angepasst werden.

 

Eine Erfolgsgeschichte

Der Einbau der Klais-Orgel in der Trinitatiskirche begann 2009, so dass das Instrument im Januar 2010 feierlich in Empfang genommen werden konnte. Pünktlich zu Beginn des Jubiläumsjahrs der Trinitatiskirche, die in diesem Jahr ihren 150 »Geburtstag feierte«: mit einer Reihe spektakulärer Konzerte renommierter Organisten und Organistinnen und sogar der Uraufführung eines eigens für dieses Instrument komponierten Orgelwerks von Michael Ostrzyga. Mit der Klais-Orgel kam 2010 erstmals ein Instrument mit Rückpositiv in die Kirche – das ist ein kleines Orgelwerk, das hinter dem Rücken des Orgelspielers angebracht ist. Und in vielen Konzerten der evangelischen Trinitatiskirche kann man seit 2010 dem Organisten bei seinem Spiel direkt auf die Finger sehen: eine Video-Übertragungsanlage macht’s möglich.

Das Instrument und seinen klanglichen Möglichkeiten, sein Zusammenwirken von Ton und Raum erntet seit dem Einbau viel Lob – es scheint perfekt in die Kölner Trinitatiskirche zu passen. So schreibt Pfarrer Dr. Thomas Hübner in der von Stadtsuperintendent Rolf Domning herausgegebenen Festschrift zu 150 Jahren Trinitatiskirche und dem Einbau der Klais-Orgel, Toccata: »Dem Instrument eignet gemeinsam mit der Kirche ein trinitarisches Bekenntnis, welches von ihrer Kanzel in unserer Zeit wieder entschiedener gepredigt, klarer theologisch bedacht und von Christen überzeugter gesprochen werden möge.«